Wie funktioniert das Gehirn?

 

Manchmal sagt man „Ich habe ein Gedächtnis wie ein Sieb!“ oder „Ich muss mir das in den Kopf einhämmern.“ Wenn jemand etwas nicht kennt, spricht man auch vom „Stroh im Kopf“. Aber wie funktioniert unser Gedächtnis wirklich? Unser Gehirn besteht aus sehr vielen kleinen Nervenknoten, die über Bahnen miteinander verbunden sind. Fachleute sprechen von einem ‚neuronalen Netzwerk’. In diesen Nervenknoten werden die Informationen eingelagert- aber keine Angst, jeder Mensch hat mehrere Billionen davon. Stellen wir uns diese Knoten doch mal als Orte vor. Auf dem Ortsschild steht dann die Information, die hier gespeichert wird, zum Beispiel das Wort ‚Alpen’.

     

Warum kann man sich aber manche Dinge besser merken als andere? Bei einem Baby sind alle Orte durch viele, viele Nervenbahnen verbunden. Stellen wir uns die doch als Trampelpfade vor. Auf ihnen kommt man nicht schnell voran. Je älter nun der Mensch wird, desto häufiger benutzt er manche Verbindungen. Die werden dann immer besser und breiter ausgebaut. Genau wie man auf einer Straße schneller fahren kann als auf einem Feldweg, so können auch mehr Informationenimmer schneller erreicht werden. 

Wird eine Ver-bindung zu einem Speicherort selten oder gar nicht mehr benützt, wird die Anbindung schlechter. Ganz selten wird eine Verbindung so schlecht, dass man sie gar nicht mehr benützen kann, so wie zwischen ‚kalt’ und ‚Alpen’.  Man hat etwas vergessen.

   

       

   

Wenn man sich etwas nur sehr schlecht merken kann, verwendet man oft eine ‚Eselsbrücke’. Die Verbindung zum neuen Begriff ist noch nicht so gut (Trampelpfad). Scheller geht es, wenn der Umweg von ‚kalt’ über‚Schnee’ zu ‚Lawine’ benutzt wird. Klar. Schnee ist kalt und aus Schnee besteht eine Lawine. Also muss eine Lawine kalt sein.

Übrigens- je mehr Sinne mit einer Information zu tun hatten, desto besser ist die Verbindung. Jeder der Schnee gesehen, gespürt und geschmeckt hat, dem schon einmal vor Kälte die Finger wehgetan haben, versteht den Zusammenhang zu ‚kalt’. Ein afrikanisches Kind, das in seinem Leben noch nie Schnee erlebt hat, muss erst die Verbindungen neu herstellen. So, nun kennst du die Funktionsweise unseres Gehirns. Je mehr Verbindungen bestehen, desto leichter und schneller können sie ausgebaut werden. Das Lernen fällt einem spielend leicht. Also ist es für das ganze Leben wichtig, als Kind und als Jugendlicher neue Informationen zu lernen und darüber nach zu denken. Denn beim Nachdenken verwendet man immer wieder andere Verbindungswege. Allerdings kontrolliert das Gehirn auch, ob z.B. die neue Straße regelmäßig verwendet wird. Deswegen ist das Wiederholen so wichtig. Auch die beste Straße wird im Laufe der Zeit kaputt, selbst wenn keine Autos darauf fahren. Wer seine Vokabeln lernt und nicht wiederholt, darf sich also auch nicht wundern, wenn er nach ein paar Wochen Mühe hat sie zu nennen. Trotzdem kommt es manchmal vor, dass vor einer Schulaufgabe der Kopf ‚leergefegt’ ist. Daheim hat man noch alles gewusst und jetzt… Und so kommen die Hormone ins Spiel. Die Verbindungsstraßen im Gehirn werden nicht nur genutzt um Informationen zu speichern und anzurufen, sondern auch noch zur Übermittlung von Gefühlen. Wenn die Feuerwehr mit Blaulicht zu einem Einsatz fährt, muss der restliche Verkehr die Straßen frei machen und warten.

Im Gehirn ist es genauso. Kurz vor der Schulaufgabe hat man Angst zu versagen. Die letzte Note war auch nicht so toll. Die Mitschüler erzählen von der einen Aufgabe, die so besonders schwierig ist und dann - wird man aufgeregt. Alarm! Botenstoff, unsere Feuerwehr, werden losgeschickt und die Verbindungswege sind blockiert. Die Informationen sind immer noch im Gehirn gespeichert, nur eben in diesem Moment nicht erreichbar.

 
            

Also- cool bleiben. Man braucht ja nur kurz warten bis die Straßen wieder frei sind und dann kann man sich auch wieder an alles erinnern.

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“ Auch dieses Sprichwort entspricht der Wahrheit. Denn von den vielen, vielen Verbindungspfaden, die ein Baby in seinem Gehirn hat, werden mit zunehmendem Alter alle diejenigen unpassierbar, die nicht verwendet werden. Einem Erwachsenen fällt es viel schwerer als euch Neues zu lernen.  

  Bastle dir nun ein Beispiel für den Begriff ‚Freibad’. Schreibe dazu die Informationen auf die Ortsschilder und bewerte die Verbindungen zwischen ihnen ehrlich. Schneide dazu die Symbolkarten aus und klebe sie auf das Blatt.